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Warnstreiks erwischen eiskalt die Bahn

2007-07-03

Nachdem massive Warnstreiks der Lokomotivführer am Dienstag den Bahnverkehr in weiten Teilen Deutschlands zum Erliegen gebracht haben, soll wieder verhandelt werden. Die Spitzen der Gewerkschaften Transnet und GDBA wollen an diesem Mittwoch in Berlin mit Bahnchef Hartmut Mehdorn sprechen. Parallel haben beide Gewerkschaften jedoch abermals zu Warnstreiks aufgerufen. Deren Schwerpunkt soll in Hessen liegen. Am Dienstag war bis 9.00 Uhr in weiten Teilen Deutschland kaum ein Zug gefahren. Das befürchtete Verkehrs-Chaos blieb allerdings aus. Viele Pendler waren auf U- Bahnen, Busse oder das eigene Auto umgestiegen.

Mehdorn hatte die insgesamt drei Gewerkschaften ursprünglich für Donnerstag zu einem Gespräch eingeladen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) verlangt allerdings getrennte Verhandlungen über die Forderungen der Lokführergewerkschaft nach einem eigenen Tarifvertrag für das Fahrpersonal mit bis zu 31 Prozent mehr Geld. Die GDL, die auch zu einem großen Teil der Warnstreiks am Dienstag aufgerufen hatte, plant bis zu dem Gespräch mit Mehdorn keine weiteren Aktionen. Der GDL-Vorsitzende Manfred Schell forderte die Bahn aber auf, der GDL endlich ein konkretes Angebot für einen Spartentarifvertrag zu machen. Andernfalls drohte er damit, eine Urabstimmung über einen unbefristeten Streik einzuleiten.

Transnet und GDBA kündigten an, an diesem Mittwoch würden Bahn- Mitarbeiter an insgesamt 13 Standorten zeitweise ihre Arbeit niederlegen. Mit den stärksten Einschränkungen sei beim Personenverkehr rund um Kassel, Mainz und Wiesbaden zu rechnen. In Mecklenburg-Vorpommern werde der Raum Stralsund betroffen sein, in Sachsen-Anhalt der Raum Halle. Auch im brandenburgischen Potsdam werde es zu Arbeitsniederlegungen kommen. Warnstreiks seien auch im Güterverkehr geplant. Dort werde der Schwerpunkt im Raum Nürnberg liegen, teilten die Gewerkschaften mit.

Am Dienstag waren Fahrdienstleiter, Lokführer, Zugbegleiter, Reiseberater und Werkstattpersonal deutschlandweit um 05.00 Uhr in den Ausstand getreten. In Nord- und Ostdeutschland, in Nordrhein- Westfalen und Baden-Württemberg fuhr bis etwa 9.00 Uhr kaum ein Zug. In Berlin und Stuttgart hatten die Lokführer zudem das S-Bahn-Netz komplett lahm gelegt. Auch der Güterverkehr wurde bestreikt. So traten in Duisburg nach Gewerkschaftsangaben rund 300 Beschäftigte der Bahntochter Railion in den Ausstand.

Wegen der Menge der Anrufe war die Service-Hotline der Deutschen Bahn nur schwer erreichbar. Anrufer wurden per automatischer Ansage über die Schwerpunkte der Warnstreiks informiert, anschließend landeten sie häufig in einer Warteschleife. Ein Bahnsprecher sagte, kein System der Welt könne eine solche Menge an Anrufern bewältigen. Daran ändere auch nichts, dass die Hotline personell verstärkt worden sei. In den vergangenen drei Tagen seien 200 000 Anrufe beantwortet worden.

Der Fahrgastverband Pro Bahn und die Gewerkschaft GDBA bezeichneten die Aktionen der Lokführergewerkschaft als überzogen und verfehlt. «Es war unschön und unklug, ausgerechnet den Pendlerverkehr lahm zu legen», sagte Pro-Bahn Vorstandsmitglied Joachim Kemnitz. Der Arbeitskampf im Nahverkehr treffe die Fahrgäste viel stärker als den Konzern. GDBA-Vorsitzender Klaus-Dieter Hommel warf der Lokführergewerkschaft vor, dem gemeinsamen Anliegen nach mehr Geld für die Bahn-Angestellten durch die flächendeckenden Arbeitsniederlegungen zu schaden.

Noch bevor die Bahn ihre Verspätungen vom Morgen aufholen konnte, setzten am Mittag die Bahngewerkschaften GDBA und Transnet ihre Warnstreiks fort. Diese waren nicht mit der GDL abgestimmt. Unter anderem im Hamburger Hauptbahnhof blockierten bestreikte S-Bahn-Züge die Gleise, dadurch konnten zahlreiche Linien den Verkehrsknotenpunkt der Hansestadt für etwa eine Stunde nicht ansteuern. GDBA und Transnet fordern für alle Bahnbeschäftigten sieben Prozent mehr Lohn.

Über eine Service-Hotline, die unter der Telefonnummer 08000 996633 zu erreichen ist, können sich Kunden rund um die Uhr informieren. Aktuelle Informationen sind auch im Internet unter bahn.de/aktuell erhältlich. Fahrgäste, die an einem Streiktag auf Grund streikbedingter Zugausfälle oder Verspätungen ihre Reise nicht antreten können, haben die Möglichkeit, ihre Fahrkarte kostenlos umzutauschen oder sich den Reisepreis erstatten zu lassen.

Quelle: (dpa, AP)

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